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  1. #1

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    Eine Versammlung von Engeln

    Eine Versammlung von Engeln

    von Dennis J. Balagtas

    Diana Peterson, Selbstmordopfer, 36 Jahre alt, erschien vor einer Reihe von elf
    Engeln. Diese waren zuständig für die Führung der Akten. Als sie so vor ihnen
    stand, bat man sie höflich, sich zu setzen. Der Hauptengel sagte: »Meine Liebe,
    wir müssen für die Akten ein paar wichtige Dinge wissen. Als Erstes: Warum
    wähltest du, dein Leben früher als geplant zu beenden? Und zweitens möchten
    wir dich bitten, den Vertrag für dein nächstes Leben vorzubereiten und zu
    entscheiden, wohin du als nächstes gehen möchtest.«

    Diana saß da und fühlte sich irgendwie unreal. »Ich dachte, daß ich in den
    Himmel komme, wenn ich sterbe«, sagte sie.

    »Oh nein«, antwortete ein Engel. »Das ist wirklich nur ein Mythos. Es gibt so
    viele Dinge, die du lernen mußt; wie kannst du annehmen, daß du all dies in nur
    einem Leben schaffen könntest? Nein, wir geben dir eine ganze Reihe Chancen,
    die Dinge zu lernen, die du begreifen willst. Wir haben dich hierher kommen
    lassen, damit du wählen kannst, wann du gehen und in welche Lebensumstände
    du kommen willst.«

    Diana schnappte nach Luft. Dies war etwas völlig anderes als alles, was man sie
    jemals gelehrt hatte. »Also ... ääh ... Ich denke, dann erzähle ich euch besser,
    woher ich komme. Ihr müßt wissen, ich wuchs bei sehr lieblosen Eltern auf. Sie
    kümmerten sich nicht wirklich um mich oder sprachen mit mir. Normalerweise
    waren sie mit ihrem eigenen Leben und ihren Freunden beschäftigt. Ich habe
    mich nicht wirklich von ihnen unterstützt gefühlt. Sie haben mich nie an sich
    gedrückt. In der Tat habe ich sie nie sich in meiner Gegenwart umarmen oder
    küssen gesehen. Ich nehme an, dies ist der Grund, warum ich mir selbst
    gegenüber so kalt und distanziert bin.

    Außerdem war mein Berufsleben so ausweglos. Ich wußte einfach nicht, was ich
    werden sollte und versuchte mich in mehreren Jobs. Ich schien zwar genug
    Fähigkeiten für eine ganz bestimmte Tätigkeit zu haben, aber die wurde nicht
    sehr gut bezahlt. Das Geld war immer knapp, und ich mußte doch zwei Kinder
    unterstützen. Mein Traumberuf war immer der einer Schauspielerin. Ich hatte
    auch nicht viele Freunde, nur einen oder zwei. Oft sind sie einfach gegangen,
    und das war’s. Und ich sehe ein wenig sonderbar aus. Manche Leute sagen, ich
    sei hübsch, aber ich glaube es reicht nicht, um mit den meisten Menschen
    mitzuhalten. Wißt ihr, ich bin nicht wie die gewöhnlichen Menschen, da ich eine
    Menge ungewöhnlicher Ideen habe und meine Handlungsweisen nicht wirklich
    normal sind. Ich mag es, mit mir allein zu sein und nachzudenken. Ich mag es, zu
    spielen. Ihr seht also, ich passe da nicht wirklich hin.

    Dazu kommt, daß ich oft krank war. Ich verfügte nicht über allzu viel Energie,
    war immer müde und mußte viel Zeit im Bett verbringen. Es gab Momente, in
    denen ich sehr gereizt auf meine Kinder reagierte; sie kamen immer in mein
    Zimmer und unterbrachen mich, wenn ich beim Nachdenken war. Ich glaube, ich
    war keine gute Mutter, denn ich hatte keinen Spaß daran, Zeit mit meinen
    Kindern zu verbringen. Oft wußte ich nicht mal, wo sie gerade waren. Ich denke
    auch nicht wirklich, daß sie sich aus mir etwas machten. Ich bin es auch müde,
    eine unwichtige Kleinigkeit zu sein, von der die Leute alles haben können, was sie
    wollen. Ich hatte immer Angst davor, ‘nein’ zu sagen und fühlte mich dann, als
    ob ich ein schlechter Mensch sei. So bin ich all dessen müde geworden. Ich
    dachte: ‘Ich will hier nicht mehr leben. Ich gebe es einfach auf, geh in den
    Himmel und vielleicht kann ich mich dort ausruhen.’ Doch das scheint nicht wahr
    zu sein. Nachdem, was ihr mir gesagt habt, muß ich wieder dort hingehen.«
    Diana machte eine Atempause.

    Einer der Engel sagte laut: »Ja, es trifft zu, daß du zurückgehen mußt; doch
    bevor du gehst, kannst du wählen, was immer du für dich und dein nächstes
    Leben willst. Da wir nun wissen, warum du dich umgebracht hast und nun hier
    bist, möchtest du vielleicht einen neuen Vertrag mit uns machen.«

    »Du liebe Zeit, ich glaube, darüber habe ich nie nachgedacht. Ich kannte eine
    Menge Spanier, die aus großen, einander liebenden Familien kamen. Sie wirkten
    immer so vergnügt und großzügig. Ich glaube, wenn ich schon zurückgehen muß,
    dann würde ich gern in einer spanischen Familie leben, vielleicht in Kalifornien.
    Manchmal habe ich auch schwarze Familien gesehen, die so liebevoll und süß
    wirkten. Das einzige Problem ist, daß ich nicht unter Vorurteilen leiden möchte,
    wenn ich mich für eine solche Familie entscheide. In Ordnung, laßt mich sehen –
    ich möchte nicht allzu hart arbeiten müssen. Entweder möchte ich einen reichen
    Mann heiraten oder gewandt genug sein, um selbst eine Menge Geld zu
    verdienen. Ich möchte an den Punkt kommen, wo ich nicht mehr arbeiten muß,
    wenn ich es nicht will und meinen Beruf wirklich lieben kann. Ich bin es so müde,
    immer in einer Sackgasse zu sitzen.

    Ich möchte kreativ sein und das Gefühl haben, durch meinen Beruf etwas zur
    Welt beitragen zu können. Ich wäre gerne eine nette Persönlichkeit mit vielen
    Freunden, die von allen gemocht wird. Trotzdem hätte ich gerne Zeit für mich,
    wenn ich das will; und ich möchte hübsch und schön sein und eine gute Figur
    haben. Man sollte mich mögen, aber nicht nur wegen meines Aussehens. Ich
    möchte ebenso von schönem Inneren wie auch Äußeren sein, so daß jeder von
    mir sagt: ‘Sie ist eine wundervolle Person.’ Ich glaube, das würde mir sehr
    gefallen. Ich hätte auch gern eine gute, robuste Gesundheit und möchte mehr
    mit Leuten zusammen sein. Oh, da fällt mir noch etwas ein: Ich würde gerne die
    Menschen lieben. Es scheint mir jetzt, als wenn ich mich nie um andere
    gekümmert hätte, und ich möchte wirklich für andere da sein.

    Das Nächste ist, daß ich entweder eine liebevolle Mutter sein oder für eine Zeit
    lang gar keine Kinder haben möchte. Vielleicht wäre das eine gute Idee, bis ich
    gelernt habe, eine bessere Mutter zu werden. Wenn ich all die Dinge tue, für die
    ich mich jetzt entschieden habe, werde ich wohl auch nicht genug Zeit für Kinder
    haben.

    Als Letztes möchte ich mich behaupten können. Ich möchte tun, was ich will,
    ohne daß jemand etwas dagegen hat oder mich dafür verurteilt. Ich möchte frei
    sein, zu kommen und zu gehen, wie ich will.«

    »Gut, Diana, das klingt nach einem recht eindrucksvollen Vertrag«, sagte der
    Engel, »ich denke, wir können all das für dich arrangieren. Ich habe nur noch
    eine Frage zum Vertrag. Was möchtest du in deinem nächsten Leben vollenden?«


    »Oh«, antwortete Diana. »Meinst du damit, daß ich selbst entscheiden muß, was
    ich vollenden will?«

    »Natürlich«, sagte der Engel, »das ist es, worum es hier geht.«

    »Also gut, laßt mich überlegen ... die einzige Sache, die mir einfällt, ist zu
    verstehen, worum es bei der Liebe eigentlich geht. Ich denke, das würde ich
    gerne zum Abschluß bringen. Nein, eigentlich möchte ich lieber meine Selbstliebe
    vervollkommnen und lernen, wie ich mir eigenständig genug Freude, Geld und
    Sicherheit geben kann, so daß ich nicht mehr den Wunsch haben müßte, zu
    sterben.«

    »Das klingt hervorragend«, meinte ein anderer Engel. »Ich denke, wir haben nun
    einen guten Vertrag. In Ordnung, hier ist eine Kopie für dich; die andere geben
    wir zu unseren Akten.«

    »Wißt ihr was?« sagte Diana, »einen Moment lang dachte ich, ich käme in die
    Hölle, weil ich mich selbst umgebracht habe. Jetzt erzählt ihr mir, daß ich nicht in
    den Himmel komme. Heißt das, ich muß doch in die Hölle?«

    »Du meine Güte«, antwortete der Engel, »wo hast du nur diese Geschichten
    gehört? Es gibt keinen Ort, der dich bestraft. Wir glauben nicht an Bestrafung
    und ebensowenig an Belohnung. Wir glauben nur an die Liebe. Darüber hinaus
    wissen wir, daß Himmel und Hölle in dir drin sind. Wenn du auf eine bestimmte Art
    denkst, fühlt es sich an wie im Himmel; doch wenn du dein Leben auf eine andere
    Weise betrachtest – ich bin sicher, du selbst kannst uns sagen, daß es wie die
    Hölle ist.«

    »Das ist wahr«, bestätigte Diana. »Ich habe nie auf diese Weise darüber
    nachgedacht. Um festzustellen, ob man im Himmel oder in der Hölle ist, muß man
    sich bewußt machen, wie man die Dinge sieht. Nur ich selbst kann mich
    bestrafen oder belohnen.«

    »Ach ja, vielleicht möchtest du etwas über deinen letzten Vertrag zu erfahren.
    Du könntest es sehr interessant finden,« sagte ein weiterer Engel.

    »Ich hätte nicht gedacht, daß es da einen alten Vertrag gibt.«

    »Ja, wir würden die gerne etwas über den Vertrag erzählen, den du
    abgeschlossen hast, bevor du in das Leben von Diana Peterson gingst. Zuvor
    starbst du 1926 in Italien. Du hattest elf Kinder, und es gab viel harte Arbeit. Du
    hattest eine sehr große, dicht geschlossene Familie, viele Verwandte und immer
    gut und genug zu essen. Du warst eine volle, robuste und energiegeladene Frau.
    Du batest darum, in deinem nächsten Leben Eltern zu bekommen, die dir die
    Möglichkeit geben sollten, dich als geschickte Persönlichkeit zu erfahren, die dir
    Freiheit lassen und dir darin vertrauen, für dich selbst sorgen zu können. Sie
    sollten dich gehen lassen, wohin du willst, ohne dir immer über die Schulter zu
    sehen.

    Außerdem wolltest du einen Männerberuf haben. Du wolltest Zeit zum Träumen,
    Nachdenken und Kreativsein. Du wünschtest wenige Menschen um dich herum,
    damit du Raum zum Atmen hast – nur ein paar Freunde und eine kleine Familie.
    Du wolltest groß und dünn sein, um nicht laufend zu hören, was für eine schöne
    Frau, was für eine gute Mutter oder nette Person du seist. Du wolltest
    einzigartig sein und herausragen, um – vielleicht wie die Frauen in den Filmen –
    andersartige Dinge zu tun. Du sagtest auch, daß du – da du mit all den Kindern,
    dem Kochen und Sauberhalten des Haushaltes so hart zu arbeiten hattest –
    dieses Mal nicht so viel Arbeit zu tun haben wolltest und schlugst vor, vielleicht
    ein wenig krank sein zu können, so wie die Kameliendame. Du wolltest allein sein
    können und wünschtest dir wenige oder gar keine Kinder, um auszuruhen. Wenn
    du überhaupt Kinder wolltest, sollten sie unabhängig sein. Auch wünschtest du
    dir, etwas damenhafter und ruhiger zu werden, weil du zuvor eine recht
    lautstarke Persönlichkeit hattest. Dies waren die Punkte deines letzten
    Vertrages.«

    Diana war erstaunt. Zwei kleine Tränen liefen ihre Wangen hinunter. »Mir
    scheint, ich habe bekommen, was ich wollte. Eltern, die mir Freiraum gaben,
    mehr Ruhe, nicht so harte Arbeit. Ich war recht kreativ und habe sogar
    manchmal in Schauspielstücken mitgewirkt. Ich bin so verwirrt – ich habe mich
    umgebracht, weil ich bekam, was ich wollte!« Sie schlug die Hände vor das
    Gesicht.

    »Nein, nein«, sagte der jüngste Engel freundlich. »Es war die Art, wie du über
    dich in deinem Leben dachtest, nämlich als unglückliche Versagerin, die dich den
    Tod wählen ließ.«

    »Du kannst alle von dir gewünschten Veränderungen haben«, meinte ein anderer
    Engel und klopfte Diana auf die Schulter. »Du bist nicht auf ewig verdammt. Du
    kannst solange immer wieder zurückgehen, bis du gelernt hast, daß nicht das
    zählt, was du hast, sondern was du bist. Wenn du dich selbst und andere
    wirklich lieben kannst, bist du im Himmel.«


    Plötzlich wurde alles schwarz. Das Nächste, was Diana hörte, war die Stimme
    des Arztes: »Es ist ein wunderschönes kleines Mädchen, Mrs. Sanchez.« Der Arzt
    war überrascht, weil das Mädchen nicht weinte.




    Ohne Worte Engelchen

  2. #2
    Erfahrener Benutzer
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    Hallo Engelchen,

    vielen lieben Dank für diese wunderschöne Geschichte! Sie trifft den Nagel voll auf den Kopf. Wir sind es, die uns alles aussuchen, all unsere gesamten Inkarnationen.
    Eine sehr schöne Geschichte, ich freue mich sehr darüber. :flower:

    Liebe Grüsse
    Monika

    Ausdehnung von Glück ist der Sinn der Schöpfung
    und wir sind alle hier, um Glück zu erfahren und auszustrahlen.

  3. #3

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    Hallo Monika!

    Ja, als ich die Geschichte zum 1. Mal las, wußte ich genau, "So ist es"bzw. So stell ich mir das vor! Wenn wir nur einmal leben würden, wäre das doch "Ungerecht"! Und somit gäbe es keinen "Lieben Gott"! Denn er liebt uns doch!
    Und was meint Ihr anderen dazu

    Gruß Engelchen

  4. #4
    Erfahrener Benutzer
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    Hallo engelchen,

    außerdem ist es sehr tröstlich zu wissen, daß wir alle schon gelebt haben und mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Wir haben den freien Willen von Gott bekommen und suchen uns demnach alles wieder neu aus.
    Gott und die Engel lieben uns unendlich.....

    Liebe Grüsse
    Monika

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  5. #5

    Registriert seit
    26.04.2003
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    2

    Re: Eine Versammlung von Engeln

    Hallo!

    Als ich die Geschichte so laß, musste ich weinen..vor Freude und Erkenntnis..

    Gruß
    Rena

  6. #6
    Marie
    Liebes Engelchen,

    ich war sehr berührt von dieser Geschichte. Danke, daß du uns daran teil haben ließest.

  7. #7

    Registriert seit
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    Hallo Ihr zwei! :clap:

    Ich liebe es solche Geschichten zu lesen und auch weiterzuleiten. Sie sind so faszinierend und lehrreich zu gleich. Und vor allem "Sie gehen von Herz zu Herz"! :love:

    Licht und Liebe
    Engelchen


 

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