Hallo an alle Buechernarren unter Euch,

zur Zeit lese ich ein Buch von dem irischen Autoren und Journalisten Padraic O'Farrell mit dem Titel Irish Ghost Stories.

Das Tolle an dem Buch ist, dass die Iren ein ganz anderes Selbstverstaendnis zu uebernatuerlichen Erscheinungen und seltsamen Ereignissen haben als z. B. wir Deutschen. Niemand wird hier deswegen verlacht oder als bescheuert (usw.) hingestellt. Leute, die eine Erscheinung / ein Erlebnis hatten werden durchaus Ernst genommen und sind keine Rand- oder Nischenerscheinung oder Esoteriker oder Verrueckte (oder was ich sonst noch alles gehoert habe, wie man spirituelle Menschen bezeichnen kann). Dementsprechend einfuehlsam gibt der Autor auch die Augenzeugenberichte wieder.

Es geht in diesem Buch - wie der Titel schon vermuten laesst - um wahre Geistergeschichten, die sich hauptsaechlich im Osten der Republik Irland (Co. Kildare, Meath, Wexford) zugetragen haben.

Es ist eigentlich eine Sammlung von Aussagen der Menschen, die eine Geisterscheinung erblickt haben.

Eine Geschichte hat mich besonders beruehrt und zwar die, die in dem Ort spielt, in dem ich zurzeit lebe (Monasterevin, Co. Kildare).

Und davon moechte ich nun erzaehlen:

Der Fluch der Cassidys

Es begab sich zu der Zeit des Aufstandes gegen die englischen Unterdruecker - des United Irishmen Rising im Jahre 1798 - in Monasterevin, County Kildare, im Osten Irlands, 60 km westlich von Dublin. Father Edward Prendergast machte sich auf zum Barn Hill (wo auch die irischen Rebellen lagerten), um einem kranken, dem Tode geweihten Baby die Taufe zu stiften.

Wie es ein dummer Zufall wollte, wurde Father Prendergast bei seiner Rueckkehr von den Englaendern gefangengenommen und der Konspiration mit den Aufruehrern bezichtigt.

Darauf wurde er vor das Militaergericht gestellt, angeklagt und zum Tode durch den Strang verurteilt.

Da er aber unschuldig war, wandte er sich hilfesuchend an den oertlichen Schnapsbrenner Cassidy, der das Recht hatte, jedes Jahr einen Menschen zu begnadigen und so vorm Galgen zu bewahren.

Cassidy, den Englaendern ergeben, hatte Angst um seine Destille und war besorgt wegen moeglicher Repressalien, wenn er einen abgeurteilten Hochverraeter freispraeche.

Er lehnte ab und der Geistliche wurde hingerichtet.

Jedoch belegte er kurz vor seinem Tode die Cassidy-Familie und deren Nachkommen mit einem Fluch, der besagte, dass kein Mitglied dieser Familie je wieder in Monasterevin leben wuerde.

Er wurde schlussendlich an einem Baum, der den Fluss Barrow saeumte, aufgeknuepft und sein Leichnam schwer bewacht von der Reitergarde, damit ja keiner den Toten, der zur Abschreckung und Warnung an besagtem Baum verrotten sollte, zu Grabe tragen konnte. Ein freundlicher Bauer floesste ihnen raue Menge Hochprozentiges ein - bis die Waechter sturzbetrunken vom Pferd fielen und der tote Priester von Verwandten abgenommen werden konnte.

Er sollte noch in selbiger Nacht klammheimlich bestattet werden, doch der Plan schien daran zu scheitern, dass es stockfinster war in dieser Nacht und die Maenner nichts sehen konnten. Doch da tauchte ein misterioeses Leuchten auf dem Kopf einer Kraehe auf (fuer das es bis heute keine Erklaerung gibt) und ihnen den Weg zu der Stelle deutete, an dem sie Father Predergasts sterbliche Huelle gefahrlos in einen Sarg legen und bestatten konnten.

Noch bis heute (ich hab's nachgeprueft) lebt kein Cassidy in Monasterevin, Co. Kildare und jedes Jahr zum Anlass des Todestages des Pfarrers erscheint nachts jenes seltsame Licht und leuchtet den Weg vom Hinrichtungs- zum Begraebnisort.